1822. In Paris, im noblen Viertel Marais, eröffnet ein Apotheker namens Eugène Popelin ein Geschäft, das er A l'Olivier nennt — und füllt es mit dem, was er auf seinen Reisen in die Provence kennen- und schätzen gelernt hat: Olivenöl. Das Maison wird schnell zum Treffpunkt von Gourmets, die mediterrane Lebensart in Paris suchen. Auf den Pariser Weltausstellungen 1867 und 1889 wird das Olivenöl von A l'Olivier mit zwei Silbermedaillen ausgezeichnet — ein Erbe, das bis heute fortbesteht.
1978 vereinigt sich das Haus mit der Familie Jean-Claude Blanvillain, einem Pariser Ölhändler, der die Huilerie Bailly betreibt. Seit Mitte der 1990er Jahre besitzt A l'Olivier eigene Olivenbäume in der Region Nizza und betreibt eine eigene Mühle in der Provence. Die Bailly/A l'Olivier Group ist heute ein Familienunternehmen mit drei spezialisierten Standorten: Provence (Olivenöl), Poitiers (Nuss- und Kernöle) und Paris (Logistik und Pariser Gastronomie).
Olivenöl und aromatisierte Öle aus der Provence
In der eigenen Mühle in der Provence stellt A l'Olivier nicht nur klassisches Olivenöl Extra Vergine her, sondern auch eine Reihe von aromatisierten Ölen — vor allem Basilikumöl und Lavendelöl. Dafür hat das Haus ein patentiertes Verfahren namens Enfleurage entwickelt: Frische Pflanzen geben ihre Aromen direkt an das Olivenöl ab, ohne dass synthetische Aromen verwendet werden. Das Ergebnis sind Öle, in denen man Basilikum oder Lavendel im Mund tatsächlich schmeckt — nicht nur duftet.
Nuss- und Kernöle aus Poitiers
Im Westen Frankreichs, in Poitiers, betreibt das Haus eine zweite Mühle, in der auf handwerkliche Weise Nuss- und Kernöle entstehen — Sesamöl, Walnussöl, Haselnussöl. Diese Öle sind charaktervoll, intensiv und für die Küche eine eigene Kategorie.
Französische Fruchtessige
Auch die Fruchtessige stammen aus der Provence-Mühle — Himbeer, Estragon, klassische Mischungen. Französische Tradition, klare Säure, klare Frucht.
Häufige Fragen
Was ist das Enfleurage-Verfahren?
Eine traditionelle Methode aus der Parfümherstellung, die A l'Olivier für aromatisierte Öle adaptiert hat: Frische Pflanzen werden auf Olivenöl ausgelegt; das Öl nimmt dabei die Aromastoffe auf, ohne dass die Pflanzen erhitzt oder destilliert werden. Das Verfahren ist patentiert und liefert Öle, die deutlich aromatischer sind als solche mit nachträglich zugesetzten Aromen.
Sind die Auszeichnungen von 1867 und 1889 noch relevant?
Die zwei Silbermedaillen wurden auf den Pariser Weltausstellungen vergeben und bezeugen historisch, dass das Olivenöl von A l'Olivier schon im 19. Jahrhundert international beachtet wurde. Sie sind Teil der Markengeschichte, kein aktuelles Qualitätssiegel.
Was unterscheidet ein Provence-Olivenöl von einem italienischen?
Provence-Öle sind tendenziell milder, mit weniger Bitterkeit und einem feinen Mandel-Charakter, weil dort vor allem die Sorten Aglandau und Salonenque wachsen. Italienische Olivenöle aus Ligurien oder der Toskana sind oft kräftiger, mit deutlicher Würze und Pfeffrigkeit.
Welche anderen Olivenöl-Hersteller führen Sie?
Aus Apulien Gianni Calogiuri und Olearia Schiralli, aus Sizilien Frantoi Cutrera, aus Spanien Castillo de Canena und Nobleza del Sur. Eine Übersicht aller Essige finden Sie in der Sammlung Essig.