Wie wird PriSecco gemacht? Manufaktur Jörg Geiger erklärt

PriSecco ist alkoholfrei, perlend, und doch kein Sekt — er wird weder vergoren noch destilliert. Wir erklären, wie die Manufaktur Jörg Geiger ihre Cuvées baut.


Von Stephan Uhlenbusch
6 Min. Lesezeit

PriSecco-Glas mit Streuobst (Apfel, Birne, Quitte) auf Travertin

PriSecco ist eines der bekanntesten alkoholfreien Premium-Getränke im deutschsprachigen Raum — und gleichzeitig eines der am häufigsten missverstandenen. Die Frage „Wie wird PriSecco eigentlich gemacht?" tauchen immer wieder auf, und die Antworten, die im Netz kursieren, sind oft falsch.

Wir haben uns mit der Herstellung im Detail beschäftigt und erklären in diesem Artikel, was hinter der Marke PriSecco wirklich steckt — wie die Cuvées entstehen, was die Manufaktur Jörg Geiger im schwäbischen Schlat tatsächlich macht, und wie sich PriSecco von alkoholfreiem Sekt, Saft und Schorle abgrenzt.

Was PriSecco ist (und nicht ist)

Das Wichtigste vorweg, denn hier verbreiten sich die meisten Missverständnisse:

  • PriSecco wird NICHT vergoren. Anders als bei Sekt, Wein oder Champagner findet keine alkoholische Gärung statt.
  • PriSecco wird NICHT destilliert. Es ist also auch kein „entalkoholisierter Sekt" oder ein Vakuumdestillat.
  • PriSecco ist eine Cuvée aus Saft, Kräuterauszügen und Kohlensäure. Das ist die kürzeste richtige Beschreibung.

Diese Klarstellung ist wichtig, weil PriSecco optisch wie ein alkoholfreier Sekt wirkt — Champagnerflasche, Drahtkorb, perlendes Getränk im Glas. Tatsächlich ist die Herstellung aber komplett anders.

Der Prozess Schritt für Schritt

Schritt 1: Streuobst-Anbau

Die Basis aller PriSecco-Cuvées ist Streuobst von der Schwäbischen Alb. Streuobst bedeutet: Hochstamm-Obstbäume, die nicht in dichten Plantagen stehen, sondern weit gestreut auf Wiesen — oft alte Sorten wie Schwäbische Mostbirne, Champagner-Bratbirne, Schweizer Wasserbirne, Boskoop-Apfel, Grafensteiner. Die Manufaktur Jörg Geiger arbeitet mit Bauern und Streuobst-Initiativen in der Region zusammen, die diese Bäume erhalten und ernten.

Der Streuobst-Bezug ist nicht nur Marketing — er ist Voraussetzung für die geschmackliche Tiefe der Cuvées. Industrieobst aus Plantagen liefert nicht die Aroma-Vielfalt, die PriSecco auszeichnet.

Schritt 2: Saftgewinnung

Die Früchte werden gepresst — Birnen, Äpfel, Quitten — und ergeben sortenreine Direktsäfte. Diese Säfte sind die Cuvée-Bausteine, vergleichbar den Grundweinen beim Sektbau. Jede PriSecco-Sorte hat ihre eigene Mischung. Cuvée Nr. 1 Weißduftig zum Beispiel basiert vorwiegend auf Birne, mit einem Anteil Apfel und einer leichten Quittennote.

Schritt 3: Kräuter- und Pflanzenauszüge

Hier kommt der Schritt, der PriSecco vom „besseren Saft" abhebt: Kräuter- und Pflanzenauszüge. Hopfen, Wermut, Bittermandel, Wacholder, Holunderblüte, Bergamotte — je nach Cuvée werden ausgewählte Pflanzenextrakte zugegeben. Diese Auszüge bringen die typische, weinwürzige Tiefe, die einen PriSecco beim ersten Schluck so anders schmecken lässt als „Saft mit Sprudel".

Die Auszüge werden im Haus selbst hergestellt — durch behutsame Wasserextraktion, manchmal über mehrere Tage, ohne Hitzeeinwirkung. Auch das ist der Manufaktur-Anteil im Prozess.

Schritt 4: Cuvée-Komposition

Saft, Pflanzenauszüge und gegebenenfalls weitere Komponenten werden zur Cuvée zusammengeführt — ähnlich wie ein Sektkellermeister aus Grundweinen die finale Cuvée mischt. Hier entscheidet sich der Charakter der Sorte. Cuvée Nr. 1 ist heller und floraler, Cuvée Nr. 7 oder Nr. 13 nehmen mehr Wermut-Charakter mit, die rotfruchtigen Cuvées arbeiten mit Steinobst und Kräutern wie Pimpinelle.

Schritt 5: Karbonisierung

Statt durch Flaschengärung wird die Kohlensäure technisch zugeführt — der Cuvée wird CO₂ unter Druck zugesetzt, sodass beim Öffnen die typische Perlage entsteht. Das ist der Punkt, an dem PriSecco sich technisch von Sekt unterscheidet: Bei einem klassischen Sekt entsteht die Perlage durch eine zweite Hefegärung in der Flasche, beim PriSecco durch direkte CO₂-Zugabe. Geschmacklich ist das im Endprodukt schwer zu unterscheiden, weil die Cuvée selbst die ganze Tiefe trägt.

Schritt 6: Abfüllung und Reife

Der fertige PriSecco wird in Sektflaschen mit Korken und Drahtkorb abgefüllt. Eine Reifelagerung wie beim Sekt findet nicht statt — PriSecco ist nicht für jahrelange Lagerung konzipiert, sondern wird relativ frisch nach Abfüllung getrunken.

Warum nur drei Sorten offiziell „PriSecco" heißen dürfen

Hier wird es spannend, und Sie werden auf einer Geiger-Flasche entweder „PriSecco" oder eine andere Bezeichnung lesen — je nach Sorte. Der Hintergrund: Die Bezeichnung „PriSecco" ist markenrechtlich geschützt. Nach mehreren Markenrechtsabmahnungen (vor allem aus dem italienischen Prosecco-Konsortium) hat die Manufaktur den geschützten Markennamen „PriSecco" auf drei Sorten beschränkt:

  • PriSecco Cuvée Nr. 1 Weißduftig
  • PriSecco Cuvée Rotfruchtig
  • PriSecco Rosenzauber

Die übrigen Cuvées der ursprünglichen PriSecco-Linie (Nr. 7 Mostbirne, Nr. 13 Bittermandel, Sommerbirne, Mirabellengold, weitere) tragen den Begriff PriSecco aus historischer Verbindung weiter — ohne diese rechtliche Klarstellung wäre die Marke verloren gegangen. Das ist also kein Stilmittel der Manufaktur, sondern ein Ergebnis langjähriger Markenrechtsstreits.

Die anderen Geiger-Linien — was sich abgrenzt

Manufaktur Jörg Geiger fertigt mehrere Linien jenseits der PriSecco-Reihe — und die werden anders hergestellt. Das ist wichtig zu wissen, weil sie oft im selben Sortiment-Schritt landen, aber verschiedene Verfahren nutzen:

  • ViSecco: Eine eigene perlende Linie auf Streuobst-Basis, mit ähnlichem Cuvée-Prozess wie PriSecco, aber mit anderem Geschmacksprofil.
  • Teasecco: Eine Cuvée auf Tee- und Pflanzenbasis — die Geiger-Variante eines „Sparkling Tea".
  • Edition Lamothe (Grad-Linie): 32° Riesling, 33° Pinot Meunier, 35° Sauvignon Blanc, 36° Grenache, 37° Pinot Noir. Das sind entalkoholisierte Weine aus echtem Wein in Vakuumdestillation. Geschmacklich anders als PriSecco — hier ist der Weincharakter primär.
  • P-Serie: Konzentrierte Pflanzen- und Frucht-Auszüge zum Verfeinern, kein eigenständiges Trinkgetränk.
  • Cidre-Linie: Klassisch fermentiert (mit Alkohol) — gehört nicht in die alkoholfreie Welt, ist aber Teil des Geiger-Sortiments.
  • Streuobst-Brände: Klassisch destilliert — auch hier ein anderes Genre.

Wer den vollen Geiger-Kosmos kennenlernen möchte, findet alles auf der Geiger-Hersteller-Page.

Was PriSecco geschmacklich ausmacht

Drei Komponenten machen das PriSecco-Erlebnis aus:

  • Streuobst-Komplexität. Sortenreine Bergbirnen, alte Apfelsorten und Quitten bringen Aromen mit, die ein Industrieobst-Saft nicht hat — eine leichte Tannin-Note, deutliche Säure und natürliche Süße ohne Zuckerzusatz.
  • Kräuter-Tiefe. Die hauseigenen Pflanzenauszüge geben der Cuvée eine Bittere und Würze, die an die Klassischen Vermouth-Cuvées erinnert — verantwortlich für das „weinwürzige" Mundgefühl.
  • Perlage und Glas. Im hochwertigen Glas, gut gekühlt, entsteht die typische Schaumwein-Optik mit echter Perlage. Das macht PriSecco zum Aperitif-tauglichen Getränk in jeder festlichen Runde.

Wie serviert man PriSecco richtig?

Wie alkoholfreien Schaumwein:

  • Gut gekühlt (6–8 °C) — vor dem Servieren mindestens 2 Stunden in den Kühlschrank.
  • In ein hohes Sektglas (Flöte oder Tulpe), nicht in ein flaches Coupe-Glas — die Perlage soll erhalten bleiben.
  • Beim Einschenken die Flasche schräg halten und langsam an der Glaswand entlanggießen.
  • Auf den letzten Schluck nicht warten — PriSecco verliert offen schnell Perlage.

Häufige Fragen

Ist PriSecco wirklich alkoholfrei?

Ja, PriSecco enthält < 0,5 % vol. Alkohol — das ist der gleiche Wert, den auch alkoholfreies Bier oder Apfelsaft natürlicherweise enthalten kann. Da PriSecco nicht vergoren wird, entstehen die geringen Alkoholmengen nur als natürliche Spuren, nicht durch absichtliche Fermentation.

Warum ist PriSecco teurer als ein normaler Saft?

Drei Gründe: Streuobst aus alten Sorten ist deutlich teurer im Bezug als Plantage-Obst; die hauseigenen Pflanzenauszüge bedeuten Manufaktur-Aufwand; und die Premium-Verpackung (Sektflasche, Korken, Drahtkorb) kostet ähnlich viel wie bei alkoholhaltigem Schaumwein. Eine Flasche PriSecco kostet entsprechend etwa wie ein einfacher bis mittlerer alkoholhaltiger Sekt.

Wie lange ist eine offene Flasche PriSecco haltbar?

Mit Sektverschluss im Kühlschrank etwa 1–2 Tage — die Perlage lässt aber merklich nach. Frisch geöffnet servieren ist deutlich besser, weshalb PriSecco sich am besten für Anlässe mit mehreren Gästen eignet.

Welche PriSecco-Sorte als Einstieg?

Cuvée Nr. 1 Weißduftig ist die freundlichste Sorte — fruchtig-floral, leicht zugänglich, passt zu fast allem. Cuvée Rotfruchtig ist die zweite gute Wahl für Wein-Trinker, die Tiefe und Kräuternoten suchen. Cuvée Nr. 13 Bittermandel ist eine Spezialität für die fortgeschrittene Genießer-Runde.

Passt PriSecco zum Essen?

Ja, sehr gut. Die kräuterwürzige Linie macht ihn zu einem hervorragenden Aperitif und zur Begleitung von Vorspeisen, Fischgängen und leichten Hauptspeisen. Cuvée Rotfruchtig funktioniert auch zu Wildgerichten und kräftigen Vorspeisen.

Welche Alternative zu PriSecco gibt es?

Im genussland-Sortiment führen wir mehrere alkoholfreie Schaumwein-Linien — die Edition Lamothe für entalkoholisierte Weine, Goodvines für Vakuumdestillat-Schaumwein, sowie eigenständige Sparkling-Tea-Cuvées. Wer PriSecco mag, sollte unbedingt auch ViSecco der gleichen Manufaktur testen.

Was Sie aus dem Sortiment kennenlernen sollten



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