Katzenzungen: Warum die dünne Schokolade so heißt und wie man sie isst

Fünf bis acht Zentimeter lang, wenige Millimeter dünn, seit 1892 aus Wien: Was Katzenzungen sind, woher der Name kommt, warum sie oft für eine DDR-Erfindung gehalten werden und wie man sie am besten isst.


Von Stephan Uhlenbusch
7 Min. Lesezeit

Zwei Schachteln Berger Katzenzungen, Vollmilch und mit Nougat gefüllt, daneben eine Tafel Berger Bio Vollmilchschokolade auf hellem Travertin

Eine flache Schachtel, ein Deckel, darunter Reihen dünner Schokoladenplättchen mit gerundeten Enden. Wer eines auf die Zunge legt, hat es nach wenigen Sekunden nicht mehr im Mund, so dünn sind Katzenzungen gegossen. Genau diese Form hat ihnen den Namen gegeben, und genau diese Form macht sie zu einer eigenen Kategorie zwischen Tafel und Praline. Dieser Beitrag erklärt, was Katzenzungen sind, woher sie kommen, warum sie oft für eine DDR-Erfindung gehalten werden und wie man sie am besten isst.

Was sind Katzenzungen?

Katzenzungen sind schmale, flache Schokoladenstücke in Zungenform, meist fünf bis acht Zentimeter lang, an den Enden gerundet und nur wenige Millimeter dick. Sie werden nicht gebrochen wie eine Tafel, sondern einzeln aus der Schachtel genommen. Klassisch bestehen sie aus Vollmilchschokolade; es gibt sie aber auch aus weißer und aus dunkler Schokolade sowie mit einer Füllung, meist Nougat.

Das Besondere ist die Dicke, nicht die Rezeptur. Eine Katzenzunge wiegt nur wenige Gramm und ist an keiner Stelle so massiv wie die Rippe einer Tafel. Kakaobutter schmilzt knapp unter Körpertemperatur, und bei so wenig Masse setzt der Schmelz sofort und am ganzen Stück ein. Dieselbe Vollmilchschokolade schmeckt deshalb als Katzenzunge weicher, milchiger und kürzer als in Tafelform. Wer Schokolade gern kaut, wird das als flüchtig empfinden. Wer sie schmelzen lässt, bekommt das Aroma in einem Zug statt in Etappen.

Warum heißen Katzenzungen Katzenzungen?

Der Name kommt aus der französischen Patisserie. Dort heißt ein dünnes, längliches Gebäck aus Eiweiß, Butter und Zucker langue de chat, Katzenzunge, weil seine schmale, an den Enden gerundete Form an die Zunge einer Katze erinnert. Wiener Konditoren übertrugen diese Form im späten 19. Jahrhundert auf Schokolade und behielten den Namen. Aus dem Gebäck wurde eine Süßware, die Bezeichnung blieb.

Das erklärt auch, warum es bis heute zwei verschiedene Dinge mit demselben Namen gibt: die Schokoladen-Katzenzunge aus der Schachtel und die gebackene Katzenzunge aus dem Ofen, ein leichter Keks, der oft zu Eis oder Mousse gereicht wird. Und ein drittes, das weder mit Schokolade noch mit Gebäck zu tun hat: saure Katzenzungen aus Fruchtgummi, die nur die Form teilen.

Woher Katzenzungen kommen

Als Ursprung gilt Wien. Der Schokoladenhersteller Küfferle, 1865 als Malzfabrik gegründet, stellte nach eigenen Angaben 1892 erstmals Katzenzungen her und machte sie in Österreich und darüber hinaus bekannt. Die dünne Zungenform passte in die Kaffeehauskultur der Zeit: ein kleines Stück Schokolade zur Melange, ohne dass jemand eine Tafel brechen musste. Auch das Budapester Café Gerbeaud trug zur Verbreitung bei. Von dort aus wanderten die Katzenzungen in die Konditoreien und Schokoladenfabriken Mitteleuropas.

In Deutschland gehören sie seit Jahrzehnten zum Standardsortiment mehrerer traditionsreicher Schokoladenhäuser, im Westen wie im Osten. Und in Österreich, wo sie herkommen, entstehen sie bis heute in kleinen Confiserien, die ihre eigene Vollmilchmasse dafür verwenden, etwa bei Berger Schokolade in Lofer im Salzburger Land, wo die Zungen aus derselben Masse mit 37 Prozent Kakao gegossen werden, die auch in den Tafeln des Hauses steckt.

Sind Katzenzungen aus der DDR?

Nein, erfunden wurden sie in Wien. Der Eindruck entsteht, weil Katzenzungen in der DDR zum festen Sortiment der Schokoladenbetriebe gehörten und für viele Ostdeutsche zur Kindheitserinnerung wurden, neben anderen Klassikern dieser Zeit. Nach 1990 blieben sie in den Regalen, und einige der Betriebe produzieren sie bis heute. So wurde aus einer Wiener Kaffeehaus-Süßware ein Produkt, das in Deutschland viele zuerst mit dem Osten verbinden.

Auf die Frage, ob es Katzenzungen noch gibt, ist die Antwort deshalb ein klares Ja. Sie sind nie verschwunden, weder im Supermarkt noch im Feinkosthandel. Was sich unterscheidet, ist die Qualität der Schokolade darin, und die schmeckt man bei einer so dünnen Form deutlicher als bei einer dicken Tafel, weil nichts die Masse verdeckt.

Vollmilch, weiß, Nougat: die Sorten

Vollmilch ist die Grundform. Eine gute Vollmilch-Katzenzunge schmeckt nach warmer Milch und Kakao mit leiser Vanille und hinterlässt keinen klebrigen Film, sondern verschwindet sauber. Der Kakaoanteil entscheidet: Bei 30 Prozent bleibt es milchig-süß, bei 37 Prozent kommt eine feine Röstnote dazu, die den Geschmack nicht ins Zuckrige kippen lässt.

Weiße Katzenzungen bestehen aus Kakaobutter, Milch und Zucker ohne Kakaomasse. Sie sind die süßesten und schmelzen am schnellsten, weil weiße Schokolade einen höheren Fettanteil hat. Für Kinder oft die erste Wahl, für Freunde dunkler Schokolade meist zu weich.

Gefüllte Katzenzungen tragen unter der Vollmilchhülle einen Kern, in der Regel Nougat aus Haselnüssen und Mandeln. Damit die Füllung Platz hat, sind sie etwas dicker als die pure Variante und schmelzen langsamer. Der Nusskern bleibt einen Moment länger auf der Zunge als die Hülle, was ihnen einen zweiten Akt gibt, den die pure Katzenzunge nicht hat. Bei Berger gibt es beide Varianten aus derselben Werkstatt: die puren Vollmilch-Katzenzungen und die mit Nougat gefüllten, jeweils 110 Gramm in der flachen Schachtel.

Dunkle Katzenzungen aus Zartbitter sind selten. Die dünne Form betont die Bitterkeit, und der schnelle Schmelz lässt wenig Zeit, sie auszubalancieren. Wer dunkle Schokolade in dieser Form sucht, greift besser zu einer dünn gebrochenen Edelbittertafel.

Wie man Katzenzungen isst

Katzenzungen sind Schokolade zum Anbieten, nicht zum Vorratshalten. Ihre Stärke liegt dort, wo eine Tafel zu viel wäre: eine Zunge zum Espresso, zwei zum Nachmittagskaffee, drei auf dem Dessertteller. Ein paar Regeln, die den Unterschied machen:

Zimmertemperatur. Direkt aus dem Kühlschrank sind Katzenzungen spröde und schmecken stumpf, weil die Kakaobutter noch fest ist. Zwanzig Minuten bei 18 bis 20 Grad genügen, dann setzt der Schmelz beim ersten Kontakt ein.

Auf die Zunge legen, nicht kauen. Der Name ist Programm. Wer eine Katzenzunge zerbeißt, hat sie weg, bevor sie geschmolzen ist. Wer sie liegen lässt, bekommt erst die Milch, dann den Kakao, dann die Süße.

Zum Kaffee. Die Wiener Art: eine Zunge auf die Untertasse, bevor der Kaffee kommt. Die Wärme der Tasse macht sie in einer Minute weich, ohne sie zu schmelzen. Zu einem kurzen Braunen oder einer Melange passt Vollmilch, zu einem Espresso die Nougat-Variante, deren Nuss die Röstbitterkeit auffängt.

Als Dessertbaustein. Zwei Zungen senkrecht in eine Kugel Vanilleeis gesteckt, ergeben eine Dekoration, die schmilzt, während man isst. Auf einem lauwarmen Milchreis oder Grießbrei ziehen sie milchige Kakaostreifen durch die Schale. Für eine schnelle Schokoladensauce erwärmen Sie 100 Milliliter Milch und lassen vier Zungen darin zergehen.

Zum Käse. Weniger bekannt, aber lohnend: eine Vollmilch-Katzenzunge neben einem jungen, cremigen Bergkäse. Das Salz des Käses fängt die Milchsüße auf. Ein reifer, salziger Hartkäse überdeckt die dünne Schokolade dagegen.

Katzenzungen als Gebäck

Wer nach einem Rezept für Katzenzungen sucht, meint meist die gebackene Variante, die langues de chat der französischen Patisserie. Sie bestehen aus Butter, Puderzucker, Eiweiß und Mehl, werden als dünne Streifen auf das Blech gespritzt und bei 180 Grad in acht bis zehn Minuten hell gebacken, bis die Ränder goldbraun sind. Das Ergebnis ist ein leichter, knuspriger Keks, der zu Eis, Mousse au Chocolat oder einem Glas Dessertwein gereicht wird. Mit der Schokoladen-Katzenzunge teilt er nur Form und Namen. Wer beide zusammen serviert, hat die Geschichte der Süßware auf einem Teller: das Gebäck, das dem Namen den Ursprung gab, und die Schokolade, die ihn übernommen hat.

Katzenzungen richtig lagern

Kühl, trocken und dunkel, bei 16 bis 18 Grad, nicht im Kühlschrank. Dort zieht die Schokolade Feuchtigkeit und Fremdgerüche an, und beim Herausnehmen bildet sich Kondenswasser, das die Oberfläche grau werden lässt. Ein heller Schleier auf Katzenzungen ist meist Fettreif, also Kakaobutter, die bei Temperaturschwankungen an die Oberfläche gewandert ist. Er ist geschmacklich harmlos, sieht aber unschön aus, und bei einer so dünnen Form fällt er schneller auf als bei einer Tafel.

Weil Katzenzungen dünn sind, reagieren sie auf Hitze schneller als jede Tafel. Im Hochsommer können sie im Paket weich ankommen; dann eine Stunde ruhig liegen lassen, nicht in den Kühlschrank legen. Sie werden wieder fest, nur der Glanz kann leiden.

Häufige Fragen

Warum heißen Katzenzungen Katzenzungen?

Wegen der Form. Das französische Gebäck langue de chat ist schmal, flach und an den Enden gerundet wie eine Katzenzunge. Wiener Konditoren übertrugen die Form Ende des 19. Jahrhunderts auf Schokolade und behielten den Namen bei.

Sind Katzenzungen aus der DDR?

Nein. Katzenzungen wurden in Wien erfunden, wo sie seit 1892 hergestellt werden. In der DDR gehörten sie zum festen Sortiment der Schokoladenbetriebe und wurden dadurch für viele zur ostdeutschen Kindheitserinnerung.

Gibt es Katzenzungen noch?

Ja. Katzenzungen werden bis heute in Österreich und Deutschland hergestellt, von großen Marken ebenso wie von kleinen Confiserien. Im Feinkosthandel finden Sie Varianten aus Vollmilch, weißer Schokolade und mit Nougat gefüllt.

Was ist das Besondere an Katzenzungen?

Die Dicke. Katzenzungen sind nur wenige Millimeter stark und schmelzen deshalb sofort am ganzen Stück, statt langsam von den Kanten her wie eine Tafelrippe. Dieselbe Schokolade schmeckt in dieser Form weicher und milchiger.

Woraus bestehen Katzenzungen?

Aus Schokolade, klassisch Vollmilch aus Kakaobutter, Kakaomasse, Milchpulver und Zucker. Weiße Katzenzungen kommen ohne Kakaomasse aus, gefüllte tragen einen Nougatkern aus Haselnüssen oder Mandeln. Gebackene Katzenzungen sind dagegen ein Keks aus Butter, Zucker, Eiweiß und Mehl.

Wie isst man Katzenzungen am besten?

Bei Zimmertemperatur, einzeln auf die Zunge gelegt und schmelzen gelassen, nicht gekaut. Klassisch zum Kaffee, gern auf der Untertasse serviert, oder als Dekoration auf Eis und Milchdesserts.

Wo kann man Katzenzungen kaufen?

Im Supermarkt, in Confiserien und im Feinkosthandel. Bei genussland finden Sie Katzenzungen von Berger aus Lofer, pur aus Vollmilch mit 37 Prozent Kakao und mit Nougat gefüllt, in der 110-Gramm-Schachtel.



Katzenzungen und Tafeln von Berger

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    Berger Confiserie

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    Berger Confiserie

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